Auch im Fachbereich Deutsch wurde im Rahmen des diesjährigen Maria-Ward-Projekts, das im Zusammenhang mit der Ausstellung „Die Weiße Rose – Gesichter einer Freundschaft“ steht, die Thematik „Freiheit des Geistes – Widerstand aus dem Glauben“ in den Blick genommen, was an drei Projekten im Fach Deutsch erläutert werden soll:
„Die Weiße Rose –
Gesichter einer Freundschaft“
31. Januar bis zum 14. März 2008
Oberstufe: Leistungskurs Deutsch K 13
Im Rahmen der Unterrichtsreihe „Der Mensch unter totaler Kontrolle – Ideologische Ausrichtung und Widerstand“ befassten wir uns zunächst mit Anna Seghers’ Roman „Das siebte Kreuz“, der 1942 veröffentlicht wurde und der als das bedeutendste Buch des Exils über das Dritte Reich gilt:
„’Das siebte Kreuz’, dieses große literarische Kunstwerk, ist heute ein Roman gegen die Diktatur schlechthin“ (Marcel Reich-Ranicki).
Die Autorin richtet hier auf der einen Seite den Blick auf das durch Terror und Denunziation vergiftete Leben im nationalsozialistischen Deutschland, wobei es ihr in bewundernswerter Weise gelingt, die seelischen Nöte von Menschen in einer Diktatur darzustellen, auf der anderen Seite zeigt die Autorin treffend auf, wie sich Solidarität und Mitleidenschaft im privaten und gesellschaftlichen Leben bewähren: So stellt dieses Buch heraus, wie das siebte Kreuz als Symbol innerhalb des Konzentrationslagers und die entschiedene Mitmenschlichkeit, die im alltäglichen Leben vor Ort trotz aller Repressionen gezeigt wird, die Hoffnung aufrechterhalten.
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Die Analyse des Romans ergibt auch, dass die Autorin auf eine Vielzahl von
Symbolen und Chiffren der christlichen Tradition zurückgreift, die aber gerade
nicht einfach säkularisiert und in ihrem Gehalt umgekehrt werden, wie es die
Indienstnahme christlicher Zeichen und Symbole durch die Nationalsozialisten
zeigt. Anna Seghers nimmt in ihrem Roman nicht nur antifaschistische
Widerstandskämpfer in den Blick, sondern lässt in ihrer Intention, die Struktur
des Volkes aufzurollen, auch christliche Systemgegner zu Wort kommen, die durch
ihr solidarisches Handeln zeigen, dass für christliche Widerstandskämpfer die
Freiheitsgeschichte der Menschheit ihre Wurzel in der Freiheitsgeschichte der
Botschaft des Evangeliums findet. Daher steht im Zentrum ihrer Aktivitäten auch
die Hoffnung auf eine innergeschichtliche Zukunft, die von dem Wissen getragen
ist, dass Gott in der Geschichte handelt und ein Geschichte gestaltendes Handeln
einfordert.
Damit lässt sich auch der Bogen zu den Mitgliedern der „Weiße Rose“ ziehen,
deren Widerstand im christlichen Glauben fundiert ist. Gerade die von Bischof
Galen in seinen Predigten herausgestellte Maxime „Es ist höchste Zeit, dass wir
die göttlichen Gesetze zur Richtschnur unseres Lebens machen“, auf die unsere
Ausstellung unter anderem verweist, leitet auch die verschiedenen Aktivitäten
der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“. Diesem Grundsatz folgt ebenfalls Maria
Ward, die die Zeichen der Zeit erkennt, so dass sie sich den Weisungen des
Königshauses widersetzt und revolutionäre Ideen auf den Weg bringt, die sie
wiederum in Konflikt mit Kirche und Gesellschaft führen sollen.
In einem zweiten Projekt des Leistungskurses Deutsch wird die faschistische
Lyrik näher gekennzeichnet, die sich als Transformation der
nationalsozialistischen Propaganda auf das Gebiet der Lyrik erweist: Die
faschistische Lyrik handelt unter anderem davon, wie die Wahrnehmung der
Wirklichkeit entstellt wird, weil feste und wiederkehrende Symbole der Stärke,
der Gemeinschaft und des „völkisch Guten“ die Vernunft verdrängen.
Nationalsozialistische Lyrik kommuniziert nicht auf einer intellektuellen Ebene,
sondern steht im Dienste der Beeinträchtigung der Willensfreiheit des Menschen,
indem das Bewusstsein der Rezipienten stereotypisiert und an niedere Instinkte
appelliert wird. Damit verglichen werden lyrische Produktionen erbitterter
Gegner des Nationalsozialismus wie Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky. In diesem
Zusammenhang analysieren wir auch Kurt Hubers „Schlusswort vor dem
nationalsozialistischen Volksgerichtshof“ in sprachlicher und inhaltlicher
Hinsicht, wobei sich zeigt, dass sein Rekurs auf Kants Kategorischen Imperativ
in einem christlich begründeten Menschenbild wurzelt.
Dr. Jürgen Schmelter
