Lektüre einmal anders (aus Schülersicht)
Nun war es wieder soweit. Wir sollten uns für eine Lektüre entscheiden. Dieses
Jahr sollte es etwas ganz Besonderes werden! Denn unsere Klassenleitung, Frau
Müller, war im Internet auf den Wettbewerb „Ohr liest mit“ gestoßen und da das
Thema „Wie lebe ich woanders“ sehr passend zu unserem Buchvorschlag „Aischa oder
die Sonne des Lebens“ war, beschlossen wir, das Buch zu lesen und an dem
Wettbewerb teilzunehmen. Es ging darum ein Hörspiel von maximal 7 Minuten Länge
zu gestalten.
So machten wir uns mit Feuereifer ans Lesen, hatten das Buch in ziemlich kurzer
Zeit, relativ selbstständig gelesen. Damit war aber nur ein kleiner Teil
geschafft.
Nun mussten wir die wichtigsten Szenen aussuchen, die sich in eine Hörspielform
umwandeln ließen. Also begannen wir in Gruppenarbeit mehrere Szenen in Dialoge
zu fassen. Nachdem aber sehr unterschiedliche Ergebnisse zustande kamen,
überlegten wir uns, das Hörspiel in Form einer Reportage zu gestalten.
Langsam nahm alles so seine Form an. Wir begannen mit der Rollenverteilung und
lernten unsere Texte flüssig und wie im echten Leben zu sprechen. Ein paar aus
der Klasse beschäftigten sich mit den Geräuschen, die Skriptgirls schrieben
fleißig, und die Regie wurde nach der fünften Klappe auch allmählich unruhig.
Mehrere Wochen arbeiteten wir an unserem Projekt, dann war es endlich geschafft!
Ein Bekannter von Frau Müller, Herr Kopel, freier Mitarbeiter bei Charivari
München, schnitt uns die gelungenen Szenen zusammen und fügte hier und da noch
ein paar Geräusche ein.
Nun hatten wir das fertige Hörspiel. Aber um das Ganze noch zu verschönern,
gestalteten wir im Kunstunterricht das CD-Cover, hefteten alles zusammen mit dem
Manuskript in einen Ordner und schickten es schließlich zum Wettbewerb.
Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, uns auf diese Art mit einer Lektüre zu
beschäftigen, nicht nur das Buch zu lesen und durchzuarbeiten. Das war wirklich
Lektüre einmal anders. Nun warten wir auf das Ergebnis, erhoffen uns aber nicht
zu viel, denn wir hatten zu Beginn beschlossen: Mitmachen ist alles!
Nina Behle, Julia Haider G 7d
Lektüre einmal anders (Lehrerperspektive)
Leseförderung ist ein wichtiges Anliegen der Eltern, (Deutsch-) Lehrer,
natürlich auch des Buchhandels. Der „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“ und
die ihm angegliederte „Stiftung Lesen“ haben in den letzten Jahren zusätzlich
zum traditionellen Vorlesewettbewerb der 6.Klassen viele neue Aktionen
gestartet, um Kinder und Jugendliche zum Lesen zu verlocken: von Lesenächten
über Geschichten-Schreib-Wettbewerbe bis hin zu besonderen Veranstaltungen zum
„Tag des Buches“ am 23.April.
„Ohr liest mit“ ist eine weitere Aktion des Börsenvereins, ein „Projekt, in dem
sich Kinder und Jugendliche über einen längeren Zeitraum mit Literatur
auseinandersetzen, um das Gelesene kreativ in ein Hörmedium zu übertragen“
(D.Schormann, Börsenverein)
Konkret besteht die Aufgabe darin, zu einem vorgegebenen Thema ein
siebenminütiges Audiostück in Form eines Hörspiels oder Features zu produzieren.
Passende Lektürevorschläge aus der aktuellen Kinder- und Jugendbuchproduktion
begleiten den Wettbewerb. Im Schuljahr 2005/6 fand er zum zweiten Mal statt. Das
Thema lautete:
„Wie lebt man woanders – hör dich mal um!“
Ein Thema, das ideal zu der Deutschlektüre passte, die sich die 7d bereits
gewählt hatte: „Aischa oder die Sonne des Lebens“ von Frederica de Cesco, in dem
es um die Probleme eines algerischstämmigen Mädchens in einer Pariser
Vorstadtsiedlung geht.
So fragte ich die Klasse, ob sie nicht Lust hätte, an diesem Wettbewerb
teilzunehmen. Ein leichtsinniger Vorschlag, den ich angesichts meiner Kenntnisse
in der Tontechnik und digitalen Tonbearbeitung noch des öfteren bereuen sollte.
Doch es gab kein Zurück mehr, die Mädchen ließen sich durch kein Hindernis, wie
z.B. eine Sondergenehmigung des Verlags zur Vertonung, mehr aufhalten. In kurzer
Zeit hatten alle das Buch gelesen und machten sich an die Auswahl der zur
Vertonung geeigneten Szenen. In den einzelnen Arbeitsgruppen wurde intensiv über
die Frage diskutiert, wie man Aischas Schicksal in sieben Minuten „hörbar“
machen kann. Jede Gruppe verfasste einen Teil des Manuskripts, das anschließend
gemeinsam noch einmal überarbeitet wurde. Nach einem strengen, aber fairen „Casting“
lief uns dann doch die Zeit davon: Binnen drei Tagen mussten die Aufnahmen im
Kasten sein, damit uns ein Profi (s.o.) noch beim Schnitt helfen konnte.
Parallel dazu wurden Cover und Manuskript fertig gestellt. Die Klasse war zu
Recht stolz auf das Ergebnis.
Lektüre einmal anders: Sich entfernen vom rein visuellen Erfassen von Literatur,
einen Text durch Umsetzung in eine Art Hörbuch einmal ganz anders verstehen
lernen – das war für mich eine wichtige und Gewinn bringende Erfahrung.
Gabriele Müller