Das Compassion-Projekt des Maria-Ward-Gymnasiums
vom 07. bis 19. Juni 2010
| Allgemeines zum Compassion-Projekt |
In der Zeit vom 7. bis zum 19. Juni 2010 wurde das
Compassion-Projekt des Maria-Ward-Gymnasiums, das
mittlerweile zum pädagogischen Markenzeichen unserer
Schule geworden ist, zum elften Male zur vollen
Zufriedenheit aller Beteiligten zum Ende der Mittelstufe
in den zehnten Klassen durchgeführt.
75 Schülerinnen der drei zehnten Klassen des Gymnasiums
arbeiteten in dieser Zeit täglich sechs bis acht Stunden
in den verschiedensten sozialen Einrichtungen für
Menschen, die in ihren Möglichkeiten als Mensch durch
Krankheit, Behinderung, Alter und Notsituationen
eingeschränkt sind und Leid erfahren. Angezielt werden
durch dieses Unterrichts- und Praxisprojekt soziales
Nachdenken und solidarisches Handeln in einer
Gesellschaft, die als zunehmend entsolidarisiert erlebt
wird.
Dieses soziale Praxis- und Unterrichtsmodell versucht,
ein wesentliches Ziel einer in der Tradition Maria Wards
stehenden Schule zu erreichen, der es nicht nur darum
gehen kann, kognitive Fähigkeiten, Leistungsbereitschaft
und Urteilsfähigkeit zu vermitteln, sondern die sich
vorrangig darum bemüht, die soziale Kompetenz ihrer
Schülerinnen mit dem Nächsten, die sich in der
Solidarität aus dem Glauben gründet, aufzubauen.
Die folgenden Einrichtungen waren auch in das Praktikum
integriert: Behindertenwerkstätten, Krankenhäuser,
Integrations-Kindergärten, Säuglings- und Kinderheim,
Bahnhofsmission, Caritas-Sozialzentrum,
Behindertenstiftung, therapeutisches Reiten, Ambulante
Alten- und Krankenpflege, Altenheim und weitere
Institutionen im näheren Umfeld. Eine Schülerin hat
allerdings sogar ein Praktikum im Ausland absolviert,
und zwar in der communauté Taizé, was uns besonders
freut.
Am Montag, den 21. Juni 2010, fand der Besinnungstag
statt, mit dem der praktische Teil des Sozialpraktikums
endete. Im Rahmen einer strukturierten Nachbereitung
bietet er die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches und
der Reflexion, aus der auf der Basis des kreativen
Schreibens Texte hervorgehen, die wiederum im
anschließenden Werkstatt-Gottesdienst präsentiert
werden.
Diesen Abschluss-Gottesdienst feierte mit uns Herr
Stadtpfarrer Augustinus Bauer aus der Gemeinde
Christkönig, der das Gleichnis „Die Heilung einer Frau
am Sabbat“ aus dem Lukas-Evangelium (Lk 13, 10-17) auf
das Compassion-Projekt hin interpretierte.
Als Lesungstexte wurden verschiedene vorgetragen, unter
anderem der hier im Folgenden zum Assoziationswort
„Brücke“ abgedruckte:
Einst so fremde, ferne Seiten
Die Brücke zu schmal, sie zu überschreiten,
jeder lebt in seiner Welt,
getrennt durch Sprache, Umfeld, Geld.
Hauptschule schlecht? Gymnasium gut?
Trennt nicht Scheu und fehlender Mut?
Sind sie wirklich so anders als ich?
Erkennend senkte ich die Mauern um mich.
Die Rückkehr zu ihnen war wunderbar,
Ängste, die trennten, waren nicht mehr da.
So kam ich näher, ein ganzes Stück.
Ich wollte keinesfalls wieder zurück.
Compassion, das Projekt lehrte mich hinzusehen,
andere Ansichten zu verstehen.
Alles in Allem eine lehrreiche Zeit,
brachte sie doch Verständnis und Offenheit!
(Christine Aschauer, G 10 a)
Die Maria-Ward-Schulen München-Nymphenburg der Erzdiözese München und
Freising, die in diesem Jahr ihr 175-jähriges Jubiläum feiern dürfen, sind der
festen Überzeugung, mit der Durchführung des Compassion-Projekts, das sowohl im
Gymnasium als auch in der Realschule angeboten wird, in besonderer Weise dem
Erbe Maria Wards zu entsprechen, die immer schon die Option für sozial schwache
und marginalisierte Menschen als wichtigstes Erziehungsziel ihrer Schulen
eingefordert und die Förderung der sozialen Kompetenz der ihr anvertrauten
Schülerinnen an die erste Stelle gesetzt hat.
Dr. Jürgen Schmelter