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Artikel erschienen im Allacher Menzinger Werbe-Spiegel
Nr.8 - Jahrgang 6 - 21.02.2007:

"Engagiert und kritisch"
MdB Hans-Peter Uhl diskutiert mit Maria-Ward-Schülerinnen

Nymphenburg. Politisches Interesse geht - wie sollte es anders sein - zu lasten der Freizeit. So erging es auch den Schülerinnen der 12. und 13. Klassen des Maria-Ward-Gymnasiums. Sie hätten eigentlich eine Freistunde gehabt, nahmen sich jedoch die Zeit für eine etwas andere Sozialkunde-Stunde. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl war eingeladen, um das politische System Deutschlands ein wenig aus praktischer Sicht zu erklären.
Uhl schilderte zunächst den Alltag des Abgeordneten im Gesetzgebungsprozess des Bundestags. Die Parlamentsmehrheit bestimmt die Bundesregierung und die nationalen Gesetze. Während man dies noch gut begreifen kann, wird die Politik auf europäischer Ebene unübersichtlich. Genau das sei der Grund für den EU-Verfassungsvertrag gewesen: "Die Verfassung sollte klarstellen, wie sich die nationalen Regierungen und das Europäische Parlament künftig die Macht teilen", erklärte der Bundestagsabgeordnete. Dies wäre im Interesse der Bürger gewesen, weil es die EU nachvollziehbarer gemacht hätte. Doch die Verfassung ist an Volksabstimmungen in Frankreich und Niederlanden gescheitert.
Zu den Themen, die die Schülerinnen besonders interessieren, gehörten der Umwelt- und vor allem der Klimaschutz. Auch dies führe wieder nach Europa, weil nationale Regelungen nach Uhls Ansicht zu kurz greifen. Viele Fragen bezogen sich auch auf die generellen Eigenschaften der Demokratie. Uhl erklärte, dass die mühsame Suche nach Mehrheiten und Kompromissen langwierig und die Ergebnisse oft enttäuschend seien. "Eine bessere und gerechtere Form, den Staat zu organisieren, gibt es jedoch nicht." Er rief die Schülerinnen auf, die Politik nicht verächtlich und teilnahmslos zu verfolgen, sondern engagiert und kritisch.

red

Bericht einer Schülerin:

Ein Gespräch über Politik und die Welt

Am 12.02.2007 lud das Maria-Ward-Gymnasium Herrn Dr. Hans-Peter Uhl, den Bundestagsabgeordneten für München, in die Schule ein. Er sollte interessierten Schülerinnen einen Vortrag halten über „die Europäische Union und die Rolle der Bundesrepublik Deutschland darin“.
Ich zählte zu diesen interessierten Schülerinnen, weil das Thema sehr vielversprechend klang. Als Erstes informierte Dr. Uhl uns über den Alltag eines Bundestagsabgeordneten, damit wir einen groben Einblick in seine Arbeit erhielten, dennoch gestaltete sich der Vortrag nicht wie erwartet als Monolog eines Politikers, sondern vielmehr entspannte sich ein Gespräch zwischen Dr. Uhl und uns Mädchen. Nach anfänglicher Befangenheit tauchten eine Menge Fragen verschiedenster Art auf, die Dr. Uhl alle zu beantworten wusste. Diese Fragen reichten vom Klimaschutz über das europaweite Rauchverbot bis hin zur Demokratie selbst.
Dem aufmerksamen Betrachter dürfte aufgefallen sein, dass sich der Vortrag in eine andere Richtung entwickelte als die Themenüberschrift vorgesehen hatte. Doch was zählte das schon, wenn man einen waschechten Politiker vor sich stehen hatte, der alles beantwortete, was man zur Politik an sich wissen wollte!
Besonders die Diskussion über Demokratie ist mir in Erinnerung geblieben. Eine Schülerin brachte den Einwand hervor, dass Demokratie eigentlich eine „Diktatur des Großkapitals“ sei. Es erscheint sehr unpassend, die Worte „Diktatur“ und „Demokratie“ in einem Atemzug zu nennen, sind sie doch zwei vollkommen gegenteilige Staatsformen! Dr. Uhl sagte dazu, es treffe in gewisser Weise zu, dass Geld und politische Macht eng miteinander verbunden sind und große Firmen sehr wohl versuchen, Einfluss auf die Politik zu nehmen, dennoch sei es falsch, aufgrund dieser Tatsache unsere Demokratie als „Diktatur des Großkapitals“ zu bezeichnen. Im Vergleich zu anderen Staatsformen ist die Demokratie sicherlich träge und weniger effizient, jedoch auch ungefährlicher, da sie der Allgemeinheit und nicht einem Einzelnen die Macht überträgt. Es sei denn, dieser Einzelne wäre ein Heiliger und hätte nur das Wohlergehen seiner Mitmenschen im Sinn – doch die Geschichte hat uns bereits mehrmals gelehrt, dass es diese Heiligen nicht gibt und mit dem Begriff „Diktatur“ auch unvermeidlich menschliches Leid und Unfreiheit verbunden ist! Demokratie dagegen beruht auf der Willensbildung eines ganzen Volkes und kann somit seine Interessen und Anliegen vertreten. Aber gerade hierbei existiert ein Paradoxon: die Deutschen leben zwar gerne in ihrer Demokratie und es geht ihnen auch gut dabei, doch ihr Interesse an der Politik nimmt ab und weicht Gleichgültigkeit. Radikalen Gruppen ist es somit ein Leichtes, die Demokratie zu unterwandern und die Politik nach ihren Vorstellungen zu gestalten.
Daher ist es meiner Meinung nach zu unterstützen, dass politische Bildung bereits in der Schule stattfinden sollte, und zwar nicht ausschließlich durch trockenen Sozialkundeunterricht, sondern auch durch ebensolche Vorträge oder Gesprächen mit Politikern selbst – Politik zum Anfassen, sozusagen.
Für politisch interessierte Schüler werden auch Studienfahrten nach Berlin angeboten - das Motto „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ gilt also nicht nur für Fußballfans!

Iris Mittelhammer, G 11c
 

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