Münchner Kirchenzeitung
Anerkannt und gefragt
Erzbistum übernahm Münchner Maria-Ward-Schulen
»Dank für das Vergangene und Ja zum Kommenden« – das wünschte Prälat Erich Pfanzelt den Schülerinnen, Lehrern und Eltern der Nymphenburger Maria-Ward-Schulen. Mit »Freude und Überzeugung« wolle die Erzdiözese die 170-jährige Schultradition dieser »höchst anerkannten und gefragten« Bildungs- und Erziehungseinrichtung für Mädchen und junge Frauen weiterführen, versprach der Schulreferent. Dennoch war beim Festgottesdienst unter der zeltartigen Dachkonstruktion der instituseigenen Dreifaltigkeitskirche ein Hauch von Wehmut zuspüren anlässlich der offiziellen Übergabe der Maria-Ward-Schulen an die Erzdiözese. Doch letztlich wusste jeder, dass es der richtige Schritt ist. Und Schulleiter Günther Reiter bekräftigte beim Festakt in der Aula: »Es geht nicht etwas zu Ende, sondern es wird in neue Hände gelegt und weitergeführt«.
Trotz schwieriger wirtschaftlicher Zeiten hat sich die Erzdiözese entschlossen, die Trägerschaft für das Gymnasium und die Realschule von der »Congregatio Jesu« (früher »Englische Fräulein«) zu übernehmen. Es wäre, so Pfanzelt, »undenkbar und unverantwortlich« gewesen, die Schulen zu schließen und ihre rund 1.000 Schülerinnen und Lehrer fortzuschicken.
Die Gründung der Maria-Ward-Schulen in Nymphenburg reicht zurück in das Jahr 1835. König Ludwig I. hatte dem Orden der Englischen Fräulein den Nordflügel des Schlosses Nymphenburg zur Verfügung gestellt. Er beauftragte die Schwestern mit der Leitung des königlichen Erziehungsinstituts. Die Hauptgebäude wurden zwischen 1894 und 1912 errichtet. Die Schulen tragen den Namen der Stifterin der Englischen Fräulein, der Engländerin Mary Ward (1585-1645). Sie gilt als Vorkämpferin der katholischen Mädchenbildung und des weiblichen Apostolats in der katholischen Kirche. Wegen des Mangels an Nachwuchs hatte die Ordensleitung 2003 die Übernahme der Trägerschaft durch die Erzdiözese beantragt.
Mit den beiden Maria-Ward-Schulen in Nymphenburg ist die Erzdiözese jetzt Trägerin von insgesamt 21 Schulen mit fast 12.000 Schülerinnen und Schülern.
Florian Ertl
Nymphenburger Anzeiger vom 01.02.06
Vorreiter in der Mädchenbildung
Erzdiözese übernahm Maria-Ward-Schulen / 170-jährige Tradition erhalten
Nymphenburg(wr)
Eine der traditionsreichsten schulischen Einrichtungen für Mädchen und junge Frauen in München, die Maria-Ward-Schulen im Stadtteil Nymphenburg, haben zum Jahresbeginn ihre Trägerschaft gewechselt. Die Erzdiözese München und Freising übernahm die Trägerschaft der Maria-Ward-Schulen, ein Gymnasium und eine Realschule, von der Congregatio Jesu (CJ), früher unter dem Namen „Englische Fräulein“ bekannt oder nach ihrer englischen Gründerin „Maria-Ward-Schwestern“ genannt.
Mit einem feierlichen Gottesdienst vergangene Woche in der Ordens- und Schulkirche in Nymphenburg wurde die Übergabe der Trägerschaft begangen.
Dabei erklärte der Schulreferent des Erzbischöflichen Ordinariates München, Domkapitular Erich Pflanzelt, die Erzdiözese werde die 170-jährige Schultradition „der höchst anerkannten und gefragten“ Bildungs- und Erziehungseinrichtung für Mädchen und junge Frauen weiterführen.
Mit den beiden Maria-Ward-Schulen in Nymphenburg ist die Erzdiözese jetzt Trägerin von insgesamt 21 Schulen mit fast 12.000 Schülerinnen und Schülern. Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten übernehme die Erzdiözese gerne und mit Überzeugung die Schulen der Congregatio Jesu, sagte der Schulreferent. Es wäre undankbar und unverantwortlich gewesen, diese traditionsreichen und renommierten Schulen zu schließen und 1.000 Schülerinnen und ihre Lehrer/-innen fortzuschicken. Die Erzdiözese werde die Schulen sichern und in eine gute Zukunft führen. Pflanzelt dankte dafür, dass auch weiterhin Ordensfrauen als Lehrerinnen zur Verfügung stünden und den Schulen durch ihre klösterliche Gemeinschaft und durch das Gebet nachbarschaftlich verbunden blieben.
Der Schulreferent bekräftigte die Zielsetzung für kirchliche Schulen. Sie seien nicht lediglich sachlich nüchterne Bildungseinrichtungen, sondern „eine lebendige Erziehungsgemeinschaft“ von christlich geprägten Lehrer/-innen, Schülerinnen und Eltern. Der Glaube an den Mensch gewordenen Gott sei nicht nur im Religionsunterricht, im Gottesdienst oder in der Schulseelsorge die Mitte, „sondern in allem, was gelehrt, gelernt und gelebt wird“. Dies bedeute auch „Ermutigung zum Querdenken und Schwimmen gegen den Strom“.