Studienfahrt K12 nach Berlin
vom 6.7. bis 10.7.2009
34 Kollegiatinnen und drei begleitende Lehrkräfte ( Herr Roth, Herr Dr.
Schmelter und Frau Tanterl) starteten am Montag, den 6.Juli pünktlich um 8.00
Uhr zu ihrer Studienfahrt nach Berlin. Die Programmschwerpunkte orientierten
sich an den drei meist vertretenen Leistungskursen Deutsch, Geschichte und
Kunst. Trotz beträchtlicher Schwierigkeiten in der Unterkunft, die das
Reiseunternehmen für uns ausgesucht hatte, erwies sich wenigstens das ca. 10
Gehminuten entfernte, am Ku’damm gelegene griechische Lokal mit dem
ungewöhnlichen Namen „Ach Niko Ach“ als Glückstreffer. Die stets gutgelaunten
Kellner servierten in atemberaubenden Tempo mit unglaublichen Balanceakten zu
griechischer Musik abwechslungsreiche, leckere Mahlzeiten und gingen sogar auf
vegetarische Sonderwünsche ein. Als sich dann noch herausstellte, dass direkt
nebenan Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit wohnt, selbst Stammgast bei Niko
ist, am dritten Abend dann sogar persönlich gesichtet wurde und mit den Mädchen
kurz sprach, stellte sich ein really V.I.P.- Gefühl ein.
Die Tage in Berlin, glücklicherweise von weitaus besserem Wetter begleitet als
in München, waren dicht gefüllt mit Besichtigungsprogramm, aber auch mit
ausreichend „Freigang“, den die Schülerinnen vor allem in den Abendstunden
intensiv nutzten. Derweil harrten die erschöpften Lehrkräfte gemeinsam mit dem
höchst anhänglichen Busfahrer Axel meist im zum Stammlokal erkorenen „Xantener
Eck“ bei Cafe, Bier oder heißer Schokolade der Rückkehr ihrer Schutzbefohlenen.
An dieser Stelle ein Lob für die stets pünktlichen und zuverlässigen
Kollegiatinnen, die nun einen ersten ( für manche auch schon zweiten oder
dritten Blick) auf die Hauptstadt werfen konnten.
Bereits am Abend der Ankunft ging es in die Abendöffnung des jüdischen Museums
in Kreuzberg mit der großartigen Architektur von Daniel Libeskind. Der kommende
Tag startete gleich nach dem Frühstück mit einer geführten zweistündigen
Stadtrundfahrt. Nach getrennt verbrachter Mittagspause traf man sich um drei Uhr
wieder am Berliner Dom, von wo aus verschiedene Unternehmungen angeboten waren,
u.a. ein Besuch der alten Nationalgalerie mit herausragenden Werken der Kunst
des 19.Jahrhunderts oder eine Spreefahrt.
Der kommende Vormittag war der
Ausstellung zur deutschen Geschichte im deutschen Dom am Gendarmenmarkt
vorbehalten, bzw. einer Stippvisite im Antikenmuseum, wo derzeit die Büste der
Nofretete eine der Hauptattraktionen ist. Der Nachmittag stand zur freien
Verfügung und wurde zum Schlendern und Shopping in den Hackeschen Höfen oder der
Friedrichstrasse genutzt, bzw. zum Besuch des Reichstags, zu dem wir leider
keine offizielle Führung bekommen konnten, da bereits die sommerliche
Sitzungspause begonnen hatte. Die Zeit verging wie im Fluge, schon kam der
letzte Tag vor der Abreise , der noch einmal mit drei wichtigen Programmpunkten
belegt war: vormittags teilten wir uns in zwei Gruppen auf: Gruppe 1, die
Künstler und Germanisten erhielten eine Führung in der Ausstellung
„Bilderträume“- hier bekamen die Schülerinnen einen Einblick in die Werke der
Künstlergruppe der Surrealisten, deren Ursprung in einer literarischen Bewegung
liegt - in der neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe am Kulturforum, wobei
man auch diesen in den 60er Jahren gestalteten Platz mit der berühmten
Philharmonie von Hans Scharoun näher in Augenschein nehmen konnte. Zuvor fand
noch ein Rundgang über den Potsdamer Platz mit den beeindruckenden
Hochhausbauten zeitgenössischer Architekten statt, der uns auch in das
frequentierte Sony Center mit seinen Cafes und Kinos im Sony Plaza führte. Ein
besonderer Tipp für verbleibende Freizeit ist hier das Hochhaus des Architekten
Hans Kollhoff im Daimler-Chrysler Areal, mit seiner über einen Aufzug zu
ereichenden Aussichtsplattform, die einen ausgezeichneten Überblick über die
umliegende Gegend gibt. Gruppe 2, die Historiker, machten sich vom Startpunkt
Brandenburger Tor auf den Weg über das Holocaustmahnmal von Peter Eisenman zur
Ausstellung „Topografie des Terrors“ an den Resten der Berliner Mauer entlang
bis hin zum ehemaligen „Checkpoint Charlie“ an der Friedrichstrasse
. Nach der
individuell gestalteten Mittagspause war wieder einmal der Berliner Dom, wo
unser Busfahrer schon bereit stand, der Ausgangspunkt für die Fahrt nach
Hohenschönhausen ins Stasi Museum. Dort wurden wir in zwei Gruppen von
ehemaligen dort inhaftierten politischen Gefangenen über die bis zum Mauerfall
ausgeübten Praktiken der Isolationshaft und bewussten Desinformation durch die
Staatsicherheit der ehemaligen DDR informiert. Hier zeigte sich wieder einmal
wie wichtig der Bericht von Zeitzeugen ist – unsere Schülerinnen waren sehr
beeindruckt, ja erschüttert über die menschenverachtende Vorgehensweise eines
nach außen hin demokratischen Staates - obwohl viele der Kollegiatinnen den
Oskar gekrönten Film „Das Leben der Anderen“ gesehen hatten. Im Bus auf der
Rückfahrt von Hohenschönhausen war es deshalb anfänglich recht still, bis wir
noch einen kleinen Abstecher zur East-End-Galerie machten, wo sich an
bestehenden Mauerfragmenten seit einigen Jahren immer wieder eine neue
Generation von Wandmalern darstellen kann. Der letzte Abend durfte dann , nach
dem vorsorglichen Kofferpacken, zu einem (relativ) ausgiebigen Nachtleben
verwendet werden. Geeignete Tipps für entsprechende Szenelokale und Events
hatten sich die Kollegiatinnen längst im voraus beschafft – denn erst kürzlich
war ein neues Geo Heft über Berlin mit aktueller Information erschienen.
Die Nacht war dann recht lang (auch für ausharrende Lehrkräfte…), und
entsprechend lang waren die blassen Gesichter am Morgen der Abfahrt. Ein letztes
Mal schleppten sich die Müden aus dem Bus, um Schloss Sanssouci mit seiner
prächtigen Parkanlage, sowie die stets frischen Kartoffeln auf dem schlichten
Grab Friedrichs des Großen zu bestaunen. Der Stille im Bus während der langen
Fahrt gen Süden entsprach der Anblick der in den Sitzen zusammengesunkenen
Schläferinnen ( Beweisfotos wurden angefertigt). Bei einer Rast zur Aufnahme von
Fast food ( wir wollen das nicht weiter vertiefen) herrschte Einigkeit darüber,
dass das bevorstehende Wochenende, zumindest am Samstag, wohl zum großen Teil im
häuslichen Bett verbracht werden würde. Aber schon für Montag war klar: Jede
bringt ihre digitalen Aufnahmen mit , um Bilder auszutauschen und die schöne
Fahrt noch einmal Revue passieren zu lassen.
Angelika Tanterl